Hallo miteinander, seit gestern befinden wir uns in Hamburg in der Jugi direkt am riesigen Hafen, der über 10% des ganzen Stadtgebietes ausmacht. Riesige Containerschiffe fahren von der Elbemündung in Cuxhafen den Fluss hoch und werden hier entladen. Heute Morgen machten wir eine kleine Hafenrundfahrt und bestaunten die riesigen Anlagen. Die Docks sind ziemlich beeindruckend!
Unsere Reise verlief bis jetzt reibungslos. Wir hatten weder Velo- noch irgendwelche andere Pannen und geniessen unsere Ferien. Lustigerweise sind für uns die Tage, an welchen wir radeln (ca. 5-6 am Stück) eher „Arbeit“ und die Tage, an welchen wir irgendwo Pause machen, eher wie „Sonntag“. Wir verbringen sie meist mit waschen, Gepäck ordnen und ausruhen. Mittlerweile haben wir auch eine gute Kondition und radeln im Schnitt um die 80 -90 km pro Tag.

Der Start unserer Reise war am 20.5.09 in Bern bei sehr heissem und sonnigem Wetter und wunderschöner Alpenweitsicht. Während der ersten fünf Tage hatten wir einen Begleittross, bestehend aus Liselotte, Renata, Karl, Dora und Köbi, die mit uns 350 Kilometer von Bern nach Karlsruhe den Rhein hinunter fuhren.


In Karlsruhe verabschiedeten wir uns und fuhren in Richtung Rülzheim (Dani’s Liste der lustigen Ortsnamen folgt), wo wir unterwegs die Pilger-Skater (
http://www.pilger-skater-tour.de/) Bernd und Hartmut trafen. Ihr Ziel war dieses Jahr die Schweiz, wo wir ja gerade herkamen.
Über Mannheim – wo Dani in der Nacht Blut schwitzte, weil er sich von irischen Fahrenden ausspioniert fühlte – fuhren wir nach Darmstadt, wo wir unseren ersten „Sonntag“ verbrachten. Das spezielle Bier im Angesicht des „Langen Ludwig“ schmeckte in der „hübschen kleinen Beamtenstadt“ (O-Ton einer Erdbeerhäuschenverkäuferin) ausgezeichnet.

Weiter ging’s über die Vorläufer des Vogelbergs (grösster binneneuropäischer erloschener Vulkan mit knapp 120 km Durchmesser) nach Gedern. Der Tag war der strengste bisher, 110 km mit diversen bissigen Steigungen! So nicht, sagten wir uns bald und bekamen am nächsten Tag, als wir dann tatsächlich noch über die Hauptsteigung des Vogelbergs (Wasserscheide Süd/Nord) mussten, den entscheidenden Tipp. Die Herren Leppla und Leifeld in Lauterbach, beides begeisterte und bewanderte Radfahrer, rieten: „Fahrt doch den Flüssen nach!“ Zuerst nach Schlitz (heisst wirklich so!) an die Fulda, die dann in die Weser mündet, die wiederum bei Cuxhafen in die Nordsee fliesst. Gesagt getan! Am gleichen Tag noch fuhren wir nach Schlitz, bzw. Sandlofs, wo wir im Garten der Familie Fischer übernachten durften (Vielen Dank!!!).

Fortan kamen wir rassig voran. Die bestens ausgebauten Radwege entlang der Flüsse erlaubten 80 - 100 km pro Tag und immer wieder fanden wir Campingplätze, auch wenn sie gar nicht auf der Karte eingezeichnet waren. Vorbei ging’s an Bad Hersberg nach Röhrenfurth, wo wir einen wilden Biber im Fluss überraschten. Danach weiter nach Kassel, Hannoversch Münden, Weissehütte, Höxter, Bodenwerder, Grohnde (wo wir am Abend fast verhungerten weil wegen Pfingsten nichts mehr offen war…grrrr) nach Hameln, der Rattenfängerstadt, wo wir wieder eine Nacht in der Jugi verbrachten.

Deutlich war zu merken, dass wir vom herzlichen Süddeutschland langsam ins teilweise ziemlich mürrische Norddeutschland vorstiessen… Trotzdem haben wir das Land für uns entdeckt. Landschaftliche Schönheit und sehr gute Infrastruktur wird ergänzt durch grosse Hilfsbereitschaft und Interessiertheit, die uns sehr positiv überraschten. X-Mal wurden wir angesprochen, wohin wir denn radeln, mit all dem Gepäck, und wenn wir mal den Weg suchend am Strassenrand die Karte ausbreiten, geht’s meist keine zwei Minuten bis das nächste Auto hält und der Fahrer uns weiterhilft! Genial! Das Highlight war, als der Lokalpolitiker vom Plakat auf der Strasse aus seinem Auto ausstieg und uns weiterhalf (Vielen Dank Herr Rolf Dieter. Wir hoffen, dass Sie einen Wahlerfolg feiern konnten!)

Von Hameln ging’s alles der Weser entlang weiter nach Rinteln, Porta Westfalica, Minden, und Stolzenau. Die wunderschönen hessischen Fachwerkhäuser wurden langsam abgelöst durch grössere, aus kleinen roten Backsteinen gebaute, immer unverputzte Häuser, die bis hier nach Hamburg die Stadt- und Dorfbilder prägen.

In Verden verliessen wir den Weserradweg und steuerten ostwärts Richtung Rotenburg und damit in Richtung Lüneburger Heide, wo wir uns, weil es seit 3 Tagen eiskalt und regnerisch war, einen Mietwohnwagen (er wird uns als „WOWA 9“ in Erinnerung bleiben) gönnten und uns eine Nacht lang aufwärmten und jassten bis zum Umfallen… :o)

Die Heide selbst ist ein karger, weiter Landstrich, durchzogen von Mooren und überwachsen mit Heidekraut und Eichenbäumen. Hauptattraktion sind neben den vielen Heidepflanzen die Schafherden, die so genannten „Heidschnucken“, die durch die Gegend ziehen. Gemütlich fuhren wir durch die Heide und brachen am späteren Nachmittag in Richtung Hamburg auf. Wir wollten dem Tipp einer Jugi-Bekanntschaft folgen und nicht durch die ganze Grossstadt hineinradeln, sondern bei Finkenwerder (da werden auf einem Riesengelände, dass man als Radfahrer grossräumig umfahren muss – grummel –, die Airbus-Jets fertig produziert) auf die Fähre gehen und direkt ins Zentrum fahren.

Um 19h Abends befanden wir uns ziemlich in der Nähe von Finkenwerder, aber weit und breit war keine Übernachtungsmöglichkeit zu finden und das Wetter wurde immer ungemütlicher. Wir fuhren planlos noch ein bisschen weiter, bis wir bei einem Haus endlich auf jemanden stiessen, den wir nach einem Platz für unser Zelt fragen konnten. Herr Klindtworth überliess uns sein Johannisbeerfeld. Es regnete die ganze Nacht und wir fragten uns schon, wie wir denn das Zelt trocken abbauen würden, als Herr Klindtworth uns um 7 Uhr weckte und zum Frühstück mit der Familie ins Haus einlud. So lernten wir eine sehr nette Grossfamilie kennen und genossen es, im Trockenen zu sitzen, zu frühstücken und Reiseerlebnisse auszutauschen (Vielen Dank!!!).

Danach fuhren wir wie geplant nach Finkenwerder und brausten mit der Fähre mitten ins Zentrum der Stadt. Die Jugi befindet sich gleich oberhalb der Haltestelle am Hafen (Landungsbrücken). Altstadt und Reeperbahn liegen ganz in der Nähe. Von Hamburg geht’s morgen weiter Richtung Nordfriesland und Dänemark, wo wir uns dann wieder melden werden.
Bisher aus der Wundertüte verschenkt:
YB-Wimpel (Jan, Receptionist der Jugi in Darmstadt)
Kompass (Herr Leifeld, der uns den Fulda-Weser-Tipp gab und schon mal den Jungfraumarathon gerannt ist)
Aufblasbarer Globus-Wasserball (Herr Leppla, der uns mit seinen Kartentipps weiterhalf)
Grosses Schweizer Armeemesser (Herr Klindtvorth, der Johannisbeerbauer, der uns zum Frühstück mit der Familie einlud)
Bisher für die Wundertüte erhalten:
2-Euro-Glückstalisman der über 90-jährigen Waschsalondame in Darmstadt
Ein Glas selbstgemachte Zwetschgenkonfitüre mit Zimt von Frau Klindtvorth
Aufgefallen:
Überall gibt’s frische, sensationelle Erdbeeren
Essen ist beim Radfahren das Wichtigste!
Grosse Hilfsbereitschaft und grosses Interesse
Super Radweginfrastruktur
Ausgeprägte Siez-Kultur, „Du“ sagen ist sehr unüblich, auch unter jungen Leuten
Highlights:
Bier in Darmstadt
Kurbelseilfähre Fulda
Lüneburger Heide
Übernachtung bei Fischer’s und Frühstück bei Klindtvorths
Hafen von Hamburg
hoppla. da tun einem ja schon die waden weh, wenn mal sich die schon zurückgelegte distanz vorstellt!
AntwortenLöschenso wie's scheint geniesst ihr euer start durch europa und habt schon viele eindrücke gesammelt - weiter so! und bitte berichtet doch auch weiterhin so ausführlich, wir sind gespannt!
liebe grüsse in den norden
l.,s.+j. noch aus b. aber bald in z. ;-)
Hallo Valeri, Hallo Dani,
AntwortenLöschenvielen Dank für den Eintrag in unserem Gästebuch der Pilger skater. Das hat uns sehr gefreut. Wir werden Eure Tour mit Spannung verfolgen und wünschen Euch weitere tolle Erlebnisse.Auch wir hatten mit unserem Ziel in Basel wunderbare Erlebnisse. Mit dem Motto " Lebt Eure Träume und verträumt nicht Euer Leben"wünschen wir Euch nur das Beste.
Grüße aus Espenschied
Hartmut und Bernd