Seid knapp einer Woche befinden wir uns in der Mongolei und geniessen unsere Zeit in der Hauptstadt Ulaanbataar in einem hervorragenden Hostel (kein Hotel!) mit eigener Duschkabine (inkl. Radio, Massagebrause und Regenwalddusche), eigenem TV, extrem viel Platz zum sich ausbreiten, netten Hosts und dies zu einem Spottpreis…
Was bisher geschah…
Reise nach Irkutsk – 4 Tage „Platzkarti“ (dritte Klasse)Der 21. Juli war unser letzter Tag in Moskau. Am Morgen besuchten wir den einbalsamierten Lenin und können nun gewisse Ähnlichkeiten mit Hansruedi bestätigen. Allerdings konnten wir das nicht genauer studieren, weil die unzähligen Wachleute permanent daran erinnerten, dass man eben nicht stehen bleiben darf im Mausoleum…

Am Abend ging’s dann los mit dem ersten Zug der transsibirischen Eisenbahn. Vom Hostel fuhren wir mitten durch Moskau an den Bahnhof, wo wir die Velos dann in nur 2 h auseinander nahmen und zugtauglich verpackten (in Helsinki dauerte dieser Prozess noch einen ganzen Nachmittag). Nach kurzer Diskussion mit den strengen Zugbegleiterinnen durften wir die Velos dann in den Zug laden – und waren bis zu diesem Zeitpunkt natürlich schon Wagengespräch Nummer 1.

Wir hätten es nicht besser treffen können. Unsere beiden Betten waren zuhinterst im Wagen am Gang und direkt bei der Tür zu WC und Raucherräumchen. Jeder, der seinen Bedürfnissen nachging, lief direkt an unseren Köpfen vorbei und dies teilweise im Halbstundentakt….Wir entwickelten eine Art Galgenhumor: es sind ja nur 3 Tage und 4 Nächte bis Irkutsk… Immerhin waren wir die einzigen Touris im völlig ausgebuchten Wagen und die mitreisenden Russen waren sehr nett: Von einer Familie wurden wir die ganze Zeit mit irgendwelchen Esswaren versorgt, von drei Jungs wurden wir zum stilechten Wodkagelage im Zugabteil eingeladen (das nicht mehr enden wollte) und die Zugbegleiterinnen taten ihr Bestes, damit wir uns wohl fühlten. Wir verstanden zwar fast nichts, dennoch unterhielten sich alle gerne und viel mit uns…:-)
Irkutsk – Insel Olkon retourNach vier Tagen Fertignudeln und mehr-oder-weniger-gut-schlafen kamen wir in Irkutsk an und atmeten erst mal tief durch – frische Luft! Der Tag war gerade eben erst erwacht und nun hiess es wieder „Velos zusammen bauen“ und Hostel finden. Die Dusche und das erste richtige Essen genossen wir unendlich und den restlichen Tag verschliefen wir.


Am nächsten Tag liessen wir unsere Velos stehen und machten uns mit leichtem Gepäck auf nach Olkhon, einer Insel in der Mitte des Baikalsees, wo wir die nächsten 3 Tage in sehr lustiger und internationaler Gesellschaft verbrachten. Der See ist wirklich faszinierend: verschiedene Wetterlagen lassen die ganze Umgebung ganz mystisch erscheinen. Und zu wissen, dass dies der älteste und tiefste See der Welt ist und zudem 1/5 des gesamten Süsswassers unserer Erde beinhaltet, war wirklich beeindruckend! Die Dimensionen des Sees kann man sich beispielsweise folgendermassen vorstellen: Sämtliche Flüsse der Erde müssten ein ganzes Jahr lang in den See fliessen, um ihn aufzufüllen!

Die Spezialität am Baikalsee ist, neben Edelweiss in rauen Mengen, der Fisch Omul, den es nur hier gibt – aber dafür permanent. Jede Mahlzeit an den Gestaden des Sees besteht mindestens zum Teil aus diesem Fisch!
Reise nach Ulaanbaatar, genannt UBZurück vom Baikalsee ging’s am nächsten Tag weiter in Richtung Mongolei. Vor der Abfahrt lernten wir am Bahnhof Irkutsk Boris und Manu aus Frankreich kennen und stellten fest, dass wir im selben Zugabteil reisten. Plötzlich tauchte dann auch noch Sergio, ein anderer Bekannter auf. Vali gab eine Runde Bier aus und alle halfen uns anschliessend beim Einladen. Als wir mit unserem Bagage vor dem Zug standen, wünschte die Zugsbegleiterin zu unserer Überraschung die Tickets für unsere Velos zu sehen. Als wir diese am Nachmittag lösen wollten, war so etwas jedoch (noch?) nicht im Angebot. Sie wollte uns allen Ernstes kurz vor der Abfahrt noch an den Schalter schicken, was wir jedoch ablehnten. Natürlich ging es dann trotzdem. Wir waren jedoch heilfroh, dass wir mit unseren neuen Freunden das Abteil teilten.
Etwas später mussten wir dann doch noch 300 Rubel für die Velos extra bezahlen. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass wir uns ein schmales Zugbett teilten, weil auf dem anderen – das wir ja mit dem Ticket auch schon bezahlt hatten - unsere Velos untergebracht waren…! Als uns dann nach der Grenze die mongolische Zugbegleiterin auch noch mal einen ähnlichen Betrag abknöpfen wollte, weigerten wir uns standhaft und liessen die mongolische mit der russische Zugbegleiterin (die war ein richtiges Biest) streiten und taten so, als ob uns das ganze nichts mehr anging (es funktionierte)…
Die Grenze zwischen Russland und der Mongolei ist übrigens „extrem“ weit auseinander, man braucht 9 h um die 3 km von Naushki in Russland nach Sükbataar in der Mongolei zu kommen….:-)
UB, hier werden Graffitis gemalt, nicht gesprayt… 
Die ersten Tage in UB verbrachten wir mit dem typischen Touriprogramm: Stadt anschauen, Kultur geniessen und ankommen. Schön war eine folkloristische Darbietung mit Gesang und Tanz und urchigen Instrumenten. Am meisten beeindruckt waren wir vom so genannten "throat singing", einer Singtechnik, womit man es tatsächlich schafft, zwei Melodien gleichzeitig entstehen zu lassen. Das tönt in etwa wie das Gezwitscher eines kleinen Vogels oder eine quietschende Tür :o) Die Kompagnie soll zu den besten der Mongolei gehören und die Show war echt der Hammer.
Am Tag darauf besuchten wir das wichtigste buddhistische Kloster der Mongolei, das Gandantegchinlen-Kloster, wo wir den 26 Meter hohen Goldbuddha in einem der Tempel bestaunten und den teils sehr jungen und herzigen Mönchlein beim rezitieren der Verse zuhören durften. Wir fanden es ziemlich erfrischend, dass die Jungs auch Blödsinn machten und nicht ganz so bierernst bei der Sache, sprich, ihren Gebeten, waren…
Seit drei Tagen lernen wir nun ein bisschen mongolisch und mühen
uns mit dieser doch sehr fremden, aber auch schönen Sprache ab.

Ab morgen sind wir wieder mit unseren Velos unterwegs und werden nach knapp 50 Tagen wieder zurück in UB sein. Anschliessend geht es dann mit dem Flugzeug nach Hongkong. Tja, wie ihr seht haben wir unsere Pläne ein wenig modifiziert.
Also denn, „daraa bajartaj“ und bis bald…
Tervä Valérie und Dani!
AntwortenLöschenNun seid ihr schon gut 3 Monate unterwegs, in der Zwischenzeit in Hongkong gelandet und seid im Land der aufgehenden Sonne (und der Velos :-)) schon hunderte von Kilometer geradelt. Mit Hochgenuss hab ich eure Etappenbilder und -berichte angeschaut + gelesen. Am meisten beeindruckt bin ich von den Dimensionen des Baikalsees. Die Edelweisse in rauen Mengen (wie bei uns ein "Chrottenböschen"-Wiese)heimeln mich an. Vor 2 Jahren haben wir in Kirgistan auf solchen Edelweisswiesen gezeltet, ich fand dies umwerfend! - Nun bin ich weiter gespannt auf eure weiteren Sprach-, Kultur-, Landschaft- und Velofahrt-und -Zerleg-Abenteuer! Ich wünsche euch weiterhin viel Freude, tolle Begegnungen mit Ländern und Leuten und mit Euch! Herzlich, Prisca aus Helvetia :-))
Hallo ihr beiden.
AntwortenLöschenjuhuuuuiiiii.... ich glaube ich habe es auch noch geschaf, mich hier anzumelden und etwas in den Blog schreiben zu können.
Und nun versuche ich einfach, mich auf diesem Weg für die Postkarte zu bedanken.
Meeerciiiii!!
Hat mich riesig gefreut.
Ich hoffe ihr seid gut in CHina angekommen und könntet euch an die neue Kurltur schon ein bisschen gewöhnen.
Hier wird es langsam so richtig Herbst. Und für MOrgen sind schon die ersten Schneeflocken angesagt... vieleicht.
Mal schauen.
Ich wünsche euch weiterhin eine gute und interessante Zeit.
Ganz gang ganz e liebe Gruess und e feschti Umarmig
Karin